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Krebs gesamt

ICD-10 C00-C97 (ohne C44)
2017

¹ je 100.000 Personen, altersstandardisiert nach altem Europastandard

* berechnet nach Periodenmethode für 2015 / 2016

FrauenMänner
Neuerkrankungen230.150259.028
standardisierte Erkrankungsrate¹340,6417,8
Sterbefälle104.067122.594
standardisierte Sterberate¹122,9181,3
5-Jahres-Prävalenz766.400776.000
10-Jahres-Prävalenz1.330.3001.310.500
relative 5-Jahres-Überlebensrate*65 %59 %
relative 10-Jahres-Überlebensrate*61 %54 %

Unter ‚Krebs gesamt’ werden alle bös­artigen Neu­bil­dungen einschließ­lich der Lymphome und Leukämien zusammen­gefasst. Nicht berück­sichtigt wurden, wie inter­national üblich, die nicht-melano­tischen Haut­krebs­formen (heller Hautkrebs), auch weil sie trotz ihrer Häufig­keit nur sehr gering­fügig zur Krebs­sterb­lichkeit beitragen.

Unterschiedliche Zellarten bilden Ursprung von Krebs

Bösartige Neu­bil­dungen können in den verschie­densten Organen des Körpers von unter­schied­lichen Zell­arten ausgehen. Ausgangspunkt der meisten Krebs­krank­heiten sind die inneren und äußeren Körper­ober­flächen (Epithelien). Allein etwa 70 Prozent der Tumoren sind vom Drüsen­gewebe ausgehende Adeno­karzinome. Bei weiteren etwa 15 Prozent handelt es sich um Platten­epithel­karzinome, bösartige Tumoren des Über­gangs­epithels (Urothel­karzinome) und klein­zellige Karzinome, die beispiels­weise in der Lunge vorkommen. Leukämien und Lymphome nehmen ihren Ausgang vom blut­bildenden Knochen­mark und von lympha­tischen Geweben. Darüber hinaus können bösartige Tumoren ihren Ursprung auch im Binde- und Stütz­gewebe (u.a. Sarkome), in den Stütz­zellen des Nerven­systems (Gliome) oder den pigment­bildenden Zellen (Melanome) haben.

Rund 489.000 Neuerkrankungen an Krebs in 2017

Im Jahr 2017 sind nach Schätzung des ZfKD insgesamt in Deutschland rund 489.000 Krebs­erkran­kungen erstmalig diagnos­ti­ziert worden. Davon traten bei Männern ca. 259.000 und bei Frauen 230.000 Erkran­kungen auf. Etwa die Hälfte der Fälle betrafen Brust­drüse (67.900), Prostata (62.200), Dickdarm (58.900) oder Lunge (57.500).

Zwischen 2006 und 2016 hat die absolute Zahl der Krebs­neu­erkran­kungen bei Männern um 2 Prozent, bei Frauen um 5 Prozent zugenommen. Der Anstieg war jedoch geringer, als zu erwarten gewesen wäre, wenn bei beiden Geschlechtern, in allen Altersgruppen und für alle Krebsdiagnosen die Erkrankungsraten auf dem Stand von 2006 verblieben wären. Da für fast alle Krebs­arten das Erkran­kungs­risiko mit zunehmen­dem Alter ansteigt, ist theoretisch durch die steigende Zahl älterer Menschen in der Bevölkerung derzeit ein Anstieg von rund 1 Prozent pro Jahr zu erwarten. Rechnet man diese Veränderungen mittels Alters­standardi­sierung heraus, zeigt sich bei Männern innerhalb der letzten 10 Jahre ein Rückgang der Erkrankungsraten um 12 Prozent, bei Frauen um 1 Prozent. Die alters­standardi­sierten Sterbe­raten an Krebs sind in Deutschland zwischen 2007 und 2017 bei Männern um 12 Prozent, bei Frauen um 5 Prozent zurück­gegangen. Im Vergleich zur gesamten Euro­päischen Union war die Krebs­sterblich­keit in Deutschland im Jahr 2016 bei Frauen um 2 Prozent höher, bei Männern um 6 Prozent niedriger.

Grafik zu altersstandardisierten Erkrankungs- und Sterberaten nach Geschlecht, ICD-10 C00-C97 ohne C44, Deutschland 1999 – 2016/2017, Prognose (Inzidenz) bis 2020, je 100.000 (alter Europastandard). Quelle: © ZfKD im RKI Altersstandardisierte Erkrankungs- und Sterberaten nach Geschlecht, ICD-10 C00-C97 ohne C44, Deutschland 1999 – 2016/2017, Prognose (Inzidenz) bis 2020, je 100.000 (alter Europastandard)

Diese Unterschiede sind vor allem durch die zwischen beiden Geschlech­tern gegen­läufigen Entwick­lungen beim Lungen­krebs und anderen durch das Zigaretten­rauchen geförderten Krebs­krank­heiten bedingt. Einen hohen Anteil an der insgesamt rückläufigen Entwicklung der Erkran­kungs­raten an Krebs hat die günstige Entwicklung bei den Krebs­erkran­kungen des Magens und des Darms mit Rück­gängen um mehr als 20 Prozent in den letzten 10 Jahren.

Rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Krebs­erkran­kung, die in den letzten 5 Jahren dia­gnosti­ziert wurde. Die Zahl der jemals an Krebs erkrankten Personen lässt sich für Deutsch­land auf­grund der in den meisten Bundes­ländern weniger als 20 Jahre exis­tie­ren­den Krebs­register nicht genau bestimmen. In Dänemark, wo diese bereits seit Ende der 1940er Jahre arbeiten, leben etwas mehr als 5 Prozent der Bevölkerung mit einer Krebs­erkran­kung oder haben eine solche über­wunden. Dies wären in Deutschland über 4 Millionen Menschen.

Überlebensaussichten je nach Krebsart sehr unter­schiedlich

Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten sind ein Maß für die Über­lebens­chancen von Krebs­patien­tinnen und -patienten im Vergleich mit der allge­meinen Bevölkerung gleichen Alters und Geschlechts. Sie sind in hohem Maße von der Tumor­art abhängig und reichen von Ergeb­nissen unter 20 Prozent für bösartige Tumoren der Lunge, Leber und Bauchs­peichel­drüse bis hin zu Werten über 90 Prozent für das maligne Melanom der Haut, den Hoden­krebs und den Prostata­krebs.

Grafik zum Vergleich der relativen 5-/10-Jahres-Überlebensraten nach Lokalisation und Geschlecht, Deutschland 2015 – 2016 (Periodenanalyse). Quelle: © Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut Vergleich der relativen 5-/10-Jahres-Überlebensraten nach Lokalisation und Geschlecht, Deutschland 2015 – 2016 (Periodenanalyse)

Rauchen, Übergewicht, Ernährung: Manche Risikofaktoren sind vermeidbar

Für viele Krebserkrankungen sind Entstehungs­mechanismen noch nicht aus­reichend bekannt oder die bekannten Aus­löser lassen sich nicht beein­flussen. Präventions­strategien stehen daher nur für wenige Tumor­arten zur Verfügung. Darunter sind aller­dings Krebsformen, die viele Menschen betreffen. Die Welt­gesundheits­organisation WHO geht davon aus, dass sich welt­weit 30 bis 50 Prozent aller Krebs­fälle durch Vorbeu­gung verhindern ließen. Schätzungen des Deutschen Krebs­forschungs­zentrums (DKFZ) zufolge sind in Deutschland mindestens 37 Prozent aller Krebs­neu­erkran­kungs­fälle durch vermeid­bare oder zumindest beein­fluss­bare Risiko­faktoren erklärbar.

Unter diesen hat Tabakkonsum die größte Bedeutung. Etwa 19 Prozent aller Krebs­erkran­kungen in Deutschland pro Jahr sind dem Rauchen zuzu­schrei­ben (attri­butable Fraktion). Die Rolle von Über­gewicht und Be­we­gungs­mangel ist aus be­ob­ach­tenden, epi­demio­logischen Unter­su­chungen eben­falls schon länger bekannt. Mögliche biolo­gische Mecha­nismen hinter dieser Asso­zia­tion werden durch die jüngste Forschung zum meta­bo­lischen Syndrom deutlicher. Diese chronische »Stoff­wechsel­schief­lage« geht mit Blut­hoch­druck, hohen Blut­fett- und Blut­zucker­werten einher. Entzünd­liche Prozesse im Fett­gewebe sind vermutlich an der Krebs­entstehung beteiligt.

Unter den ernährungs­abhängigen Einzel­faktoren spielt der Alkohol­konsum eine wichtige Rolle. Wenig Obst, Gemüse oder Ballast­stoffe bei einem oft gleich­zeitig hohen Anteil von rotem und verarbei­tetem Fleisch an der Ernäh­rung konnte als Risiko­faktor für mehrere häufige Tumor­arten identi­fiziert werden. In be­ob­ach­tenden Studien lässt sich der Einfluss einzelner Lebens­mittel und ihrer Inhalts­stoffe aller­dings nicht immer von dem der Energie­bilanz sowie anderen mög­li­chen Faktoren trennen. Zu den vermeid­baren Krebs­risiko­faktoren gehört auch der ultra­vio­lette Anteil des Sonnen­lichts (UV-Strahlung).

Umweltfaktoren und bestimmte Erkrankungen können einen Einfluss haben

Von vielen Menschen in Deutschland wird der Einfluss von Schad­stoffen und Verun­reini­gungen in Lebens­mitteln überschätzt, ebenso der von Umwelt­ein­flüssen oder Belas­tungen am Arbeits­platz. Im Einzel­fall können diese Faktoren jedoch auch hier­zu­lande einen wesent­lichen Anteil an der Krebs­entste­hung haben. Beispiele sind das regional natürlich vorkommende Edel­gas Radon, das für etwa 6 Prozent der Lungen­krebs­fälle in Deutsch­land verant­wortlich gemacht wird, oder frühere berufliche Asbest­belastungen, die aufgrund der langen Latenz­zeit auch heute noch zu Meso­theliomen des Brust- oder Bauch­fells führen. Auch medizinische Verfahren können in einzelnen Fällen das Krebs­risiko erhöhen; etwa mit einer Strahlen­belastung verbundene Diagnose- und Therapie­verfahren, Zytostatika zur Chemo­therapie oder die als Risiko­faktor für Brust­krebs identi­fizierte Hormon­therapie bei Frauen im Klimak­terium.

Chronische Infektionen sind heute für einige verbreitete Krebs­arten als Risiko­faktoren bekannt: etwa 4 Prozent der Krebs­neu­erkran­kungen in Deutsch­land können darauf zurück­geführt werden. Impfungen oder ursäch­liche Therapien können zur Senkung des Krebs­risikos beitragen. Nach­ge­wiesen ist dies bei­spiels­weise für die Impfung gegen Hepa­titis-B-Viren als Schutz­faktor vor Leber­krebs. Ein ähnlicher Effekt wird durch die HPV-Impfung erwartet: Durch sie sollte sich vor allem die Inzidenz von Gebär­mutter­hals­krebs, aber auch von Tumoren des Oropharynx, Penis und Anus sowie von Vulva und Vagina senken lassen. Voraussetzung ist, dass sich genügend Jugend­liche impfen lassen. In Studien konnte bereits eine deutliche Redu­zierung der Krebs­vorstufen am Gebär­mutter­hals für Geimpfte nach­gewiesen werden.

Neben vermeidbaren Faktoren können auch genetische Ursachen das Risiko für eine Krebs­erkran­kung erhöhen. Bisher sind jedoch nur wenige dieser Gen­verän­derungen eindeutig als Ursache für bestimmte Tumor­arten wie etwa Brust- und Eier­stock­krebs oder Darm­krebs identi­fiziert worden.

Das Angebot der gesetzlichen Kranken­versicherung in Deutschland zur Krebs­früh­erkennung betrifft bös­artige Tumoren der Haut und des Darms sowie Brust- und Gebär­mutter­hals­krebs bei Frauen und Prostata­krebs bei Männern.

Stand: 15.04.2021

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