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Erste Auswirkungen des Mammografie-Screenings auf die Neuerkrankungsraten bei Brustkrebs

Posterbeitrag (IACR Conference, Cork, 17.-19.September 2012)

Zwischen 2005 und 2009 wurde in Deutschland schrittweise ein flächendeckendes Mammografie-Screening eingeführt. Eingeladen werden seitdem alle Frauen in der Altersgruppe zwischen 50 und 69 Jahren. Erste Effekte spiegeln sich nun in den Daten der epidemiologischen Krebsregister wider.

Fast zeitgleich mit der schrittweisen Einführung des Mammografie-Screenings erreichten die epidemiologischen Krebsregister in Deutschland Flächendeckung.

Abb.1: Schätzungen der altersspezifischen Neuerkrankungsraten für Brustkrebs bei Frauen in Deutschland (Neuerkrankungen pro 100.000), 1999-2009 (vorläufige Zahlen für 2009) Abb.1: Schätzungen der altersspezifischen Neuerkrankungsraten für Brustkrebs bei Frauen in Deutschland (Neuerkrankungen pro 100.000), 1999-2009 (vorläufige Zahlen für 2009)

Auf Basis derer Erfassungen schätzte das Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) die Neuerkrankungsraten für Brustkrebs bei Frauen in verschiedenen Altersgruppen. Herangezogen wurden dafür die Daten von Landeskrebsregistern, bei denen eine Vollzähligkeit von über 90 Prozent erreicht wurde und bei denen Informationen zu Tumorstadien in mindestens 80 Prozent der Fälle vorlagen (erfüllt wurde dies von 12 von 16 Bundesländern sowie einer Region in NRW). Auch die Erkrankungsraten für die einzelnen Tumorstadien wurden berechnet.

In der Screening-Altersgruppe (50 bis 69 Jahre) war etwa ab 2006 ein steiler Anstieg der Neuerkrankungsraten zu verzeichnen (s.Abb.1).

Tumoren vermehrt in früheren Stadien diagnostiziert

Dieser Anstieg in der entsprechenden Altersgruppe ist vor allem darauf zurückzuführen, dass seit Einführung des Screenings mehr Tumoren in frühen Stadien (UICC I*) entdeckt wurden (s.Abb.2). Bereits vor 2005 ist hier ein leichter Anstieg bei den frühen Stadien zu erkennen. Dies ist möglicherweise auf das so genannte graue Screening zurückzuführen: Untersuchungen, die vor beziehungsweise außerhalb des organisierten und qualitätsgesicherten Screenings durchgeführt wurden.

Bislang spiegeln die Krebsregisterdaten also einen zu erwartenden Effekt des Früherkennungsprogramms wider. Auch wenn noch nicht aus allen Bundesländern Daten für den gesamten Zeitraum vorlagen, kann von belastbaren Schätzungen ausgegangen werden.

Abb.2: Entwicklung der stadienspezifischen Neuerkrankungsrate für Brustkrebs bei Frauen in Deutschland (Neuerkrankungen pro 100.000), Altersgruppe 50-69 Abb.2: Entwicklung der stadienspezifischen Neuerkrankungsrate für Brustkrebs bei Frauen in Deutschland (Neuerkrankungen pro 100.000), Altersgruppe 50-69

Primäres Ziel des Mammografie-Screening ist es, die Brustkrebs-Sterblichkeit langfristig zu senken. Ein solcher Effekt wird jedoch wahrscheinlich nicht vor dem Jahr 2015 in den Daten erkennbar sein. Erste Hinweise könnten sich jedoch schon früher zeigen: Wenn die Inzidenz der fortgeschrittenen Brustkrebsstadien (UICC II-IV*) sinkt, wäre dies ein erster Anhaltspunkt für einen Screening-Erfolg. Denn dann würden weniger Tumoren in einem späteren (und damit gefährlicheren und schwerer zu behandelnden) Stadium entdeckt als bisher.

*Die UICC-Klassifikation ist eine Einteilung von Tumorstadien der Union internationale contre le cancer (Internationale Vereinigung gegen Krebs). Die Gruppen von UICC I bis UICC IV geben an, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.

Stand: 24.10.2012

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