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Inzidenzschätzung

Warum werden die Neuerkrankungsraten (Inzidenz) für Deutschland geschätzt?

Seit 2009 gibt es in allen Bundesländern eine flächendeckende epidemiologische Krebsregistrierung und es wurden große Fortschritte erzielt. Dennoch sind die aktuell vorliegenden Daten aus einigen Regionen Deutschlands noch nicht für die zuverlässige Bestimmung der Erkrankungshäufigkeiten nutzbar.

Im Wesentlichen handelt es sich hier um Register, die noch im Aufbau sind wie Baden-Württemberg, Hessen und Teile von Nordrhein-Westfalen. Zudem bestehen auch in den länger etablierten Registern für einige Lokalisationen noch relevante Unterschiede im Erfassungsgrad, was unter anderem auch an Unterschieden in den DCO-Anteilen erkennbar ist. Derzeit ist daher noch nicht genau absehbar, wann das Ziel einer flächendeckenden und vollzähligen Erfassung von Krebserkrankungen in Deutschland, bei der dann aus der ‚Schätzung’ eine ‚Zählung’ würde, erreicht sein wird.

Wie werden die Neuerkrankungsraten für Deutschland geschätzt?

Auf der Grundlage der Daten der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland schätzt das Zentrum für Krebsregisterdaten die Zahl aller jährlich in Deutschland neu aufgetretenen Krebserkrankungen. Die Grundlage dieser Schätzung bilden die Ergebnisse der Vollzähligkeitsschätzung. Die Erkrankungszahlen für die einzelnen Lokalisationen und Diagnosejahre ergeben sich aus der Summation der Ergebnisse der ‚vollzähligen’ Register (geschätzter Erfassungsgrad mindestens 90 Prozent) und der sich aus der Vollzähligkeitsschätzung ergebenden Erwartungswerte für diejenigen Bundesländer, die entweder als nicht vollzählig eingeschätzt wurden oder für die noch keine Daten vorlagen.

Auch die nur über Todesbescheinigungen identifizierten DCO-Fälle wurden für die als vollzählig eingeschätzten Register mit einbezogen, mit Ausnahme der ersten fünf Jahre der flächendeckenden Erfassung im jeweiligen Bundesland. In diesem Zeitraum ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass der Erkrankungszeitpunkt in Wirklichkeit vor dem Beginn der Erfassung lag. Für diese Jahre wurden daher bei bereits erreichter Vollzähligkeit die DCO-Anteile der Referenzregion (nach Lokalisation, Alter und Geschlecht) übernommen. 

Warum wurde die Methode der Inzidenzschätzung verändert?

Aus der Modifikation des Verfahrens zur Vollzähligkeitsschätzung ergab sich zwangsläufig auch die Notwendigkeit, die bisherige Methodik zur Schätzung der Inzidenzen anzupassen. Eine der Anforderungen an die neue Methode war es, einen fließenden Übergang vom ‚Schätzen’ zum ‚Zählen’ der jährlichen Erkrankungsfälle in Deutschland zu gewährleisten und dabei weiterhin eine Beurteilung zeitlicher Trends zu ermöglichen.

Ein wesentlicher Vorteil dieser modifizierten Methode ist die genauere Darstellung und bessere Beurteilbarkeit aktueller Trends, die sich gerade in den letzten Jahren zum Beispiel durch die Einführung neuer Früherkennungsprogramme speziell für den Brustkrebs und das maligne Melanom ergeben haben.

Verloren geht allerdings zunächst die Möglichkeit der Darstellung langfristiger Trends, da sich die neuen Schätzmethoden sowohl für die Vollzähligkeit als auch für die Inzidenz in dieser Form erst ab dem Jahr 1999 anwenden lassen und die Ergebnisse der früheren und der aktuellen Schätzung aus methodischen Gründen nicht direkt vergleichbar sind. Es wird zu prüfen sein, ob sich eine modifizierte Form der aktuellen Schätzmethode auf die Daten vor 1999 anwenden lässt und damit die Darstellung längerer Zeitverläufe ohne zeitliche Brüche erlaubt.     

Ein weiterer Vorteil der neuen Schätzmethode ist ihre größere Stabilität: die Ergebnisse für die jetzt dargestellten Jahre werden sich im Wesentlichen nur noch insoweit verändern, als sich die Daten in den Registern selbst (durch Nachmeldungen oder Korrekturen) verändern, dies betrifft naturgemäß vor allem das jeweils letzte Diagnosejahr.

Stand: 22.02.2013

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